

Lüdinghausen will bis 2032 bilanziell klimaneutral werden, und zwar mit der Landwirtschaft statt gegen sie. Wir haben dafür die Energie- und Klimastrategie „Konsens 2032“ erarbeitet, den Weg zum Ratsbeschluss begleitet und den Dialog mit den Flächeneigentümerinnen und -eigentümern geführt.

Lüdinghausen im Kreis Coesfeld hat rund 25.000 Einwohnerinnen und Einwohner und rund 8.800 Hektar Landwirtschaftsfläche. Ab Ende 2022 sollte aus einem bestehenden Konzept von 2020 eine Strategie mit klarem Umsetzungsfokus werden. Die Kernfrage lautete: Wie gelingt der Ausbau erneuerbarer Energien ohne Flächenkonflikte mit der Landwirtschaft?
Auftraggeberin war die Stadt. Wir haben die Strategie erarbeitet und im Ausschuss vorgestellt, die politische Beratung bis zum Beschluss begleitet und die Flächenmeldungen ausgewertet. Die Stadt hat daraus ihre Steuerung der Anlagenstandorte entwickelt. Die Bürgerenergiegenossenschaft setzt heute eigene Projekte um.
Noch offen: der Bau der beiden Solarparks und rund 100 Hektar, die bis zum Flächenbedarf der Strategie noch fehlen.
Wir haben den heutigen und künftigen Energieverbrauch der Stadt modelliert und der möglichen Erzeugung vor Ort gegenübergestellt. Lüdinghausen erzeugt schon viel erneuerbare Energie. Nach unserer Rechnung reicht deshalb der Zubau von Wind und Photovoltaik, um bilanziell klimaneutral zu werden, also übers Jahr gerechnet.
Als Erfolgsmaßstab haben wir den Zubau erneuerbarer Energien vorgeschlagen. Der Grund: Die Treibhausgasbilanz fällt für dasselbe Jahr je nach Bilanzierungsstandard unterschiedlich aus. Der Zubau dagegen lässt sich eindeutig messen.
Der Transformationspfad braucht rund 300 Hektar für Freiflächen-PV und rund 12 Hektar für Windenergie. Das sind zusammen weniger als vier Prozent der Landwirtschaftsfläche.
Am 25.05.2023 haben wir die Strategie im Fachausschuss vorgestellt, am 15.06.2023 hat der Rat sie beschlossen. Die politische Beratung bis dahin haben wir begleitet. Die Westfälischen Nachrichten nannten ansvar2030 als Begleiter des Prozesses.
Am 16.08.2023 lud die Stadt vor allem die Menschen aus dem Außenbereich zu einem Infoabend ins Kino CineMotion ein. Unser Geschäftsführer Felix Rodenjohann gab die fachliche Einführung: „Wir müssen schauen, was wirtschaftlich und juristisch möglich ist.“ Die Stadt sagte zu, mit den landwirtschaftlichen Ortsvereinen im Gespräch zu bleiben.
Parallel ging unser Flächeneinreichungstool online, ein Online-Formular, über das Eigentümerinnen und Eigentümer Flächen melden. Bis zum 16.09.2023 gingen Meldungen ein. Anschließend haben wir geprüft, welche Flächen sich eignen.
Wie die Genossenschaft auf dieser Grundlage baut, zeigt die Referenz LH-BürgerEnergie eG.

Diese breite politische Mehrheit wäre noch vor einigen Jahren nicht denkbar gewesen.
Ansgar Mertens, Bürgermeister der Stadt Lüdinghausen, Westfälische Nachrichten, 19.07.2023
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